Die der Amtsstuben - Oder: Geschichten aus der Twilight Zone

Damit Sie einen kleinen Einblick in den alltäglichen Wahnsinn den ein chronisch Kranker den Behörden gegenüber ausgeliefert ist bekommen, werde ich Ihnen nun etwas genauer davon berichten:

Im Oktober 2001 reichte ich beim Amt für Versorgung und Familienförderung meiner Stadt meinen Erstantrag zur Feststellung meines Behinderungsgrades ein.

Ich brauche den Behindertenausweis, damit mein Mann im Notfall im Halteverbot mit dem Auto stehen bleiben darf, um mir meine Calciumlösung einzugeben. Oder damit er auf einem Behindertenparkplatz parken darf, wenn ich krampfe und mich kaum bis gar nicht bewegen kann.

Des weiteren brauchte ich zu dem genannten Zeitraum den Behindertenausweis damit dem Arbeitsamt klar sein würde, das es mich nicht zu normalen Bedingungen in eine Umschulung stecken könne. Denn ich kann nicht einmal allein den Weg zu meinem Umschulungsplatz zurücklegen, ganz zu schweigen von acht Stunden Unterricht.

Das Arbeitsamt behauptete zu dem Zeitpunkt nämlich, Sie könnten mir unter Umständen eine Arbeit vermitteln, die ich von zuhause aus und mit meinem Krankheitsbild ausführen könne.
Dafür bräuchten sie aber den festgestellten Behinderungsgrad, solange ich den nicht hätte, müßten sie mich als normal Gesunden führen.

Nun fragen Sie sich bestimmt, was das Arbeitsamt mit dem Behinderungsgrad zu tun hat und wieso ich damit in Berührung kam, da ich ja sowieso Rente eingereicht habe?
Ja Sie fragen sich das, da sie einen gesunden Menschenverstand haben. Der ist leider in manchen Amtsräumen sehr rar gesät.

Das Problem für einen Menschen der durch seine Krankheit gezwungen wird Rente einzureichen besteht darin, dass die Bearbeitungszeiträume des Rententräges immens lang sind. Sie warten auf den Bescheid des Erstantrages leicht ein halbes Jahr. In dieser Zeit müssen Sie von etwas leben.
Also gibt es die gesetzliche Regelung das eine der beiden Behörden, entweder Rententräger oder Arbeitsamt, im Voraus zahlt. Ist der Bescheid vom Rententräger ergangen, und das Arbeitsamt sollte zu Unrecht gezahlt haben (weil die Rente durch ist), so machen diesen beiden Behörden untereinander einen Zahlungsausgleich.
Ich brauchte die Unterstützung eines Anwaltes der einschritt, damit die Sachbearbeiter des Arbeitsamtes, auch zu dieser Weisheit gelangten, obwohl sie es eigentlich wissen müßten!

Aber schön der Reihe nach und zurück zum Antrag des Behindertenausweises.
Also im Oktober 2001 eingereicht und schon im Dezember 2001 bekam ich den Bescheid, das mir doch tatsächlich 20 % zustehen würden.

Nun muß man aber wissen, das bis zu einem Behinderungsgrad von 30% keinerlei Anspruch darauf besteht beim Arbeitsamt eine sogenannte Gleichstellung zu bekommen.
Die Gleichstellung ist für Arbeitssuchende gedacht, die infolge ihrer Behinderung ohne die Gleichstellung keinen geeigneten Arbeitsplatz erlangen oder behalten können.
(im Sinne des § 7 Abs.1 Schwerbehindertengesetz)
Das traf und trifft auf mich zu. Außerdem darf ein Behindertenparkplatz erst ab einem Behinderungsgrad von 50% benutzt werden und man benötigt einen Merkbuchstaben.

Deswegen legte ich beim Versorgungsamt im Dezember 2001 Widerspruch ein.
Der Widerspruchsbescheid des Amtes erfolgte Ende Januar 2002 und wies meinen Widerspruch ab.
Meine Beschwerden seinen: Zitat:" Befundangemessen eingestuft...ein höherer GdB läßt sich auch nach erneuter Überprüfung nicht begründen....Ihrem Widerspruch kann nicht stattgegeben werden...Gegen diesen Bescheid können Sie binnen eines Monats nach Bekanntgabe Klage erheben" Zitat Ende.

Ich mußte meinen Behindertengrad vor Gericht einklagen, da man aus der Sicht des Versorgungsamtes meint, meine Hormonerkrankungen samt ihrem Beschwerdebild seien nur 20 % Behinderung wert.
Ja und auf diesen Gerichtstermin wartete ich bis Mai 2005.
Der Grund liegt mitunter darin, dass fast jeder dritte Behindertenausweis eingeklagt werden muß. Das habe ich von mehreren Seiten zu hören bekommen.

Das Wort Arbeitsamt ist ja nun schon häufiger gefallen und ich will Ihnen einen Teil meiner Episoden daraus nicht vorenthalten.

Wie eingangs schon erwähnt, hatte ich meinen ersten Kontakt mit dem Arbeitsamt im Jahre 2002. Da ich meinen damaligen Beruf nicht mehr ausüben konnte und kündigen mußte, brauchte ich vom Arbeitsamt die Einverständnis, damit mir nicht für ein viertel Jahr die Zahlung des Arbeitslosengeldes gesperrt wurde. Den Antrag auf Arbeitslosengeld reichte ich im August 2002 ein.
Das ich nicht mehr als Krankenschwester arbeiten konnte, begriff der Amtsarzt sogar noch bei einer Untersuchung die vorab schon im Januar 2002 lief, da abzusehen war das ich zum Auslaufen des Krankengeldanspruchs kündigen mußte.
Allerdings war der Amtsarzt der Meinung, ich könne eine Vollzeittätigkeit ausführen.

Bitte wenn das hier ein Arbeitgeber liest: Würden und könnten Sie mich mit meinem Beschwerdebild als Arbeitskraft einstellen??

Nun ja, es begann der erste große Abschnitt meiner "Arbeitslosenkarriere".

Zuerst sagte man mir, man würde sich nach einen Job umsehen in dem ich von zuhause aus, unter drei Stunden täglich arbeiten könne, und bei dem es kein Problem wäre wenn ich durch meine Krämpfe das Arbeitspensum nicht in einer vorgegebenen Zeitspanne erfüllen könne.
Dann kam der nächste Sachbearbeiter.
Ich hatte insgesamt sieben an der Zahl (vier im Bereich der Arbeitsvermittlung und drei in der Leistungsabteilung), wobei der eine nicht wußte was der andere tat. Das lag daran, dass jeder Sachbearbeiter eine einzelne Akte von mir besaß in der nur die ihn betreffende Korrespondenz enthalten ist. Somit wußten sie nicht was ich mit welchem Sachbearbeiter schon besprochen hatte oder nicht.
Dadurch kam es auch zustande, das mich drei Sachbearbeiter zum Amtsarzt schicken wollten und ich erst beim siebten Bearbeiter zu einem neuen Amtsarzt-Termin geladen wurde.

Der zweite Sachbearbeiter kam auf die Idee, mich beim psychologischen Dienst des Arbeitsamtes vorstellig werden zu lassen, um meine restlich vorhandene Einsatzfähigkeit zu prüfen.
Zwischen dem Gespräch und dem Gutachten verging eine lange, lange Zeit.
Die Psychologin sah mich an einem Tag im Juli 2002, an dem es mir mittelprächtig ging. Sie schlug die Hände über dem Kopf zusammen und sagte mir, ich solle mir nichts vormachen ich sei nicht mehr in der Lage irgendeiner regelmäßigen Tätigkeit nachzugehen. Ich solle unbedingt Rente einreichen.
Das habe ich dann auch auf Anraten des Amtes und meines behandelnden Arztes gemacht. Aber die Geschichte folgt später.

Sachbearbeiter Nummer 3 lud mich im Oktober 2002 zu einem Beratungsgespräch, in dem dieser feststellte, ich müsse erneut einen Termin beim ärztlichen Dienst des Arbeitsamtes haben, um meine Erwerbsfähigkeit abzuklären.
Wobei er wußte das ich im August 2002 Rentenantrag gestellt hatte. Der lief sozusagen parallel. Das muß aus oben genannten Gründen so gehandhabt werden.

Damit der Amtsarzt auf dem neusten Stand der Dinge wäre, mußte ich erneut sämtliche Befunde ankarren. Nun ist mein Facharzt so gnadenlos überlaufen, das man locker zwei Monate auf die Anfertigung auszugebender Befunde warten kann.
Ich nervte die Praxis täglich und bekam die Befunde schon im November 2002.
Im Januar 2003 kam Sachbearbeiter Nummer 4 und entschied, ich müsse dringend nochmal dem Amtsarzt vorgestellt werden.
Seit November 2002 wartete ich auf einen Termin bei denselbigen....und das Warten sollte weitergehen.
Anfang Juli 2003 rief mich Sachbearbeiter Nummer 4 zu sich, um nachzufragen, was beim Amtsarzt rausgekommen wäre und wie es um meine Erwerbsfähigkeit stehe.
Leider konnte ich ihm nur mitteilen, dass ich den Arzt noch nicht zu Gesicht bekommen hätte , das Verfahren des Rententrägers weiterhin in der Schwebe wäre und ich immer noch auf das Gerichtsverfahren wegen des Behindertengrades warten würde.

Ende Juli 2003 sah mich Sachbearbeiter Nummer 3 wieder in seinen heil'gen Hallen, nachdem ich seinem Ruf gefolgt war.
An dem Tag ging es mir hundeelend und ich quälte mich ins Amt. Obwohl ich zuvor schon nachgefragt hatte, ob es in meinem Fall möglich wäre, die vierteljährliche Vorstellung einfach telefonisch zu machen, weil es mir so schlecht ging.
Nein das ginge nicht, ich müsse schon selbst erscheinen!
Also gut, was will man ändern?!
Ich hatte einen mittelprächtigen Krampfanfall und mein Mann ging in das "Heiligtum" von Nummer 3, nämlich in sein Büro. Er sagte es gehe mir nicht gut, ob er uns nicht gleich drannehmen könne.
Da ich beim Krampfen bei Bewußtsein bin, hörte ich den werten Herren spötteln:" So Ihrer Frau geht es nicht gut, na dann kommen Sie mal."...und er kicherte.
Bei meinem Krampf, krampfte auch die Muskulatur der Augenlider und so konnte ich nichts sehen, aber mein Mann berichtete mir, das diesem spöttelnden Sachbearbeiter die Kinnlade runterfiel, als er mich kriechenderweise ums Eck kommen sah. Der Rumpf auf Kniehöhe vornüber runtergezogen, die Beine in Hockestellung, genauso wie die Arme, die Kiefer zusammengepreßt, der Mundwinkel küßte meinen Halsansatz, so verzog es ihn und meine Augen waren zugekniffen. In diesem Zustand wird mir zugemutet, das ich in' Arbeitsamt laufen muß. Keiner weiß wie schmerzhaft das für mich ist und wenn ich nicht mehr weiter kann, muß mein Mann mich tragen.

Plötzlich war die heitere Stimmung des Herren Nummer 3 wie weggeblasen und er kam zu der Erkenntnis, das ich in diesem Zustand dem Arbeitsmarkt gar nicht zur Verfügung stehen könnte und ich unbedingt dem Amtsarzt vorgestellt werden müssen!
Merken Sie was? - Richtig ich wartete seit Oktober 2002 auf den angeblich so dringend angesetzten Termin des Amtsarztes! Hatte bisher aber immer noch keinen Termin bekommen.
Im September 03 war es soweit, ich hatte die Einladung zum Amtsarzt. Kaum vergeht fast ein Jahr Wartezeit, schon hat man den Termin. Hei, wie flugs die Mühlen doch mahlen !!

Auch an diesem Tag ging es mir nicht sonderlich gut.
Als wir bei der Anmeldung waren, begann ich zu krampfen, diesmal ziemlich stark. Der Anfall dauerte insgesamt gut 35 Minuten, wobei da nicht die Zeit der Erholungsphase miteingerechnet ist.
Meine Nase war mal wieder auf den Kniescheiben, meine Extremitäten in Beugestellung, Gesichts, Zungen und Kiefermuskulatur, wie immer mit verkrampft. Ich konnte in meiner Position nichts sehen.
Plötzlich hörte ich die Stimme des Arztes, der mich aufrief. Mein Gatte sagte, er müsse sich einen Augenblick gedulden. Da kam der Doktor zu uns her und sprach ausnahmslos mit meinem Mann. Er wollte wissen, ob das eine meiner Tetanien sei, welche Medikamente ich einnehme.
Für mich schien er sich nicht zu interessieren, er machte keine Anstalten meine Bewußtseinslage zu überprüfen, oder festzustellen ob er medizinische Hilfe leisten müsse.
Dafür unterstellte er mir im anschließendem Gespräch, ich würde meine Medikamente nicht einnehmen und er ließ mich nicht den Gegenbeweis antreten.
Ich sagte ihm nämlich gleich das er sofort Blut abnehmen solle, dann könne er meine Spiegel bestimmen.
Wie krank muß ein Hirn sein, das sich vorstellt ich würde meine Beschwerden absichtlich herbeiführen?? - Wie krank? - Es ist ja so toll, ständig Beschwerden zu haben, es ist so schön nicht zu wissen wovon man leben soll, nicht arbeiten zu können und es macht irre Spaß kaum noch aus außer Haus gehen zu können und wenn dann immer darauf angewiesen zu sein, eine Begleitperson zu haben!

Des weiteren bekam ich zu hören, ich sei geistig beweglich und hätte Temperament.....Ja sind chronisch Kranke vielleicht Deppen und liegen lethargisch in der Ecke? Hat eine körperliche Krankheit etwas mit dem Intellekt der betreffenden Person zu tun? - Nein hat sie nicht!
Und wenn ich schon Millionen Mal schriftlich festgehalten habe, das meine Beschwerden mit einem Knall kommen und gehen, dann müßte es doch auch dem dümmsten Menschenwesen auffallen, das ich meine Beschwerden nicht beeinflußen kann.
Dieser Arzt zählte aber zu der Sorte Mensch, deren Gehirn im Hintern zu sitzen scheint. Da sie auf dem bekannterweise sitzen, ist es mit der Durchblutung ihrer grauen Zellen nicht so gut bestellt, was man an dem gedanklichen Müll den sie von sich geben erkennen kann.

Fazit des Amtsarztes war: Ich kann Vollzeit arbeiten.
Da ich das nicht kann und dies auch dem Sachbearbeiter mitteilen mußte, wurde meine Akte beim Arbeitsamt geschlossen und ich bin aus ihrer Statistik draußen.
Zuvor hatte man mir aber noch schnell den Ablehnungsbescheid des Arbeitslosenhilfeantrages völlig falsch berechnet und meinem eingelegten Widerspruch mit der Begründung abgeschmettert, das ich dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehe und der Bescheid deswegen nicht bearbeitet wird.

Bei meiner Krankenkasse wurde ich als Rentenantragssteller geführt, beim Arbeitsamt, der BfA und dem Versorgungsamt galt ich als gesund.

Sagen Sie ,wie ist das so mit Ihren täglichen Tetanien, ist es bei Ihnen auch so unangenehm, wenn sie deswegen einurinieren müssen, während Sie Ihrem achtstündigen Beruf nachgehen??? Stören Sie die ständigen Taubheitsgefühle, Knochen- und Muskelschmerzen am ganzen Körper beim Joggen, oder haben Sie auch Schwierigkeiten, einen Gegenstand den Sie sehen zu benennen? - Vielleicht Ihren Chef? - Können Sie kaum Nahrung zu sich nehmen, weil Ihnen ständig extrem übel ist?
- Was? - Ja wie? - Das ist nicht normal, was ich Sie frage?
- Ja aber bitte, ich habe es sogar schriftlich, das ich mit den Pipifaxbeschwerden voll arbeitsfähig bin - das ich gar nicht krank bin, das kann nicht sein, denn ich gelte als gesund.
- Ach so , Sie meinen ich wäre nicht gesund - da müssen Sie sich irren, Sie wissen doch Behörden irren niemals, wenn dann der Bürger ;-)

Im Frühjahr 2005 kam dann über das Gericht ein Vergleichsangebot vom Versorgungsamt: ich bekam 40 % Behindertengrad, wobei der Hauptanteil auf meine Nahrungsmittelunverträglichkeit gestützt ist und nicht etwa, auf die anderen viel, schwerwiegenderen Beschwerden.
Ich nahm den Vergleich an

Im Herbst/Winter 2005 kamen die zusätzlichen Diagnosen der FNH die ständig Beschwerden macht, weil die Tumore einfach in der Leber Platz wegnehmen und somit drücken und der nun benennbaren Calciumresorptionsstörung hinzu. Deswegen stellte ich einen Verschlechterungsantrag und wollte von 40% auf 50% Behinderungsgrad rauf.
Dachte ich mir!
Pfeifendeckel - meine Tumore sind keine 10 % wert auch mein kaputter Calciumhaushalt etc. nicht. Man hat die Diagnosen teilweise einfach zu den bestehenden Behinderunsgprozenten dazugeschrieben, ohne darauf einzugehen. Die Cortisolbeschwerden hat man als nicht relevant angesehen, weil es ja behandelbar ist.
Diabet. mell. ist auch behandelbar und man bekommt einen Behinderungsgrad dafür. Es heißt ja nicht sobald etwas behandelbar ist, ist man beschwerdefrei!!

Nun klage ich die 10 % Erhöhung zum zweiten Male ein!

Der Rentenanspruch ging ebenfalls im Frühjahr 2005 durch. Nachdem der Richter dort auch einen Vergleich anstrebte, fiel der Rentenversicherung mit einem Mal ein und auf, dass ich ja nun wirklich aufgrund meiner Krankheiten völlig erwerbsgemindert bin.
Vorläufig - denn meine Rente war bis 2006 befristet und wurde dann nochmal befristet bis 2008.
Ich werde meinen Krankheiten sagen das sie bis 2008 gefälligst weg sein sollen, weil das der veranschlagte Zeitraum des Rententrägers ist - Da werden meine Krankheiten bestimmt "Ohhhhh" sagen und von heute auf morgen verschwinden. ;-)

Als ich Mitte 2008 einen selbstständigen Hinzuverdienst zur Rente von zuhause aus versuchte war es mal wieder soweit, dass ich sämtliche Behörden verwirrte.
Schließlich hat man als chronisch kranker, behinderter Mensch anscheinend kein Recht darauf zu versuchen, sein Leben so normal wie möglich zu gestalten.

Ich kann sehr viele Dinge, aber ich kann sie nicht in dem zeitlichen Umfang am Stück wie es nötig wäre für eine Halbtags- oder Vollzeittätigkeit.
Also begann ich mir einen Plan zurechtzulegen, was ich denn überhaupt machen könne und zu welchen Bedingungen usw.

Dazu mußte ich nachfragen beim Gewerbeamt, beim Finanzamt, bei der IHK Schwaben und beim Rententräger.
Zuerst erntete ich wie gewohnt nur überall verständnislose Blicke und Fragezeichen, dann kam als zweites immer die Frage: "Was wollen Sie machen?" und als dritte Frage" Warum?".

Ich erklärte und erklärte - überall ...und die Einzigen die mich wirklich ernst nahmen und mir auch wirklich weitergeholfen haben war die IHK Schwaben.

Bei meiner ersten Nachfrage zu dem Thema "selbstständiger Hinzuverdienst" hatte ich einen Termin beim einem Sachbearbeiter der deutschen rentenversicherung, der mit wortwörtliche sagte: "Unter 400 Euro Hinzuverdienst, da müssen Sie uns das gar nicht melden" - Ich habe meinen Gatten als Zeugen für das Gespräch er war mit dabei.

Als es dann in die heiße Phase ging sagte mir mein Steuerberater - der mir übrigens auch sehr viel erklärt und geholfen hat - ich solle bitte unbedingt dem Rententräger Bescheid geben.
Diesmal rief ich in Berlin an und siehe da ich bekam die Antwort: "Sicher müssen sie das melden und uns den Einkommenssteuerbescheid zuschicken"
.....Soviel zum Thema "kompetente Beratung" - der Sachbearbeiter in Augsburg hatte mir schlicht und ergreifend was völlig falsches gesagt.
Und er wird dafür auch noch ordentlich bezahlt. Bravo!

Stand Januar 2009:

Ob Sie es nun glauben oder nicht, ich habe im Jahr 2008 doch tatsächlich meinen Schwerbehindertengrad von 50 % erhalten.
Aber denken Sie ja nicht die hätte ich bekommen, weil man inzwischen draufgekommen ist, das SD-Stoffwechselerkrankungen übelste Symptome und starke Einschränkungen im alltäglichen Leben machen können.

NAIEN!! - Können sie doch nicht, das ist alles "psyyyyychisch".

Bei meiner Gerichtsverhandlung war eine Dame vom Versorgungsamt zugegen für die Gegenpartei.
Diese Frau ist an den Rollstuhl gefesselt - ganz sicher kein einfaches Leben.

Als ich den Richter fragte, warum ich kein Sonderzeichen fürs Parken auf Behindertenparkplätzen bekäme, bekam ich zur Antwort, ich solle mir mal Frau XY ansehen, die hätte die Berechtigung dazu aufgrund ihres Rollstuhls. Ich hingegen nicht.

Ich antwortete dem Richter daraufhin, dass Frau XY aber immer in der Lage wäre ihre Arme zu bewegen, sowie ihren Willen kundtun zu können, sie könne immer sprechen.
Wenn ich Tetanien habe, kann ich mich gar nicht mehr bewegen und kann auch nicht mehr sprechen, oder sonst was.
Mein Mann hat dann ein 158 cm langes sperriges Etwas, das er irgendwie zum und ins Auto schaffen muß.

Sie hätten das "Klonk" hören sollen, das im gesamten Saal umgingen, als die Kinnladen runterfielen!
Da stellt sich doch tatsächlich jemand hin und sagt auch noch das was er denkt und wovon er überzeugt ist.
Ich sehe nämlich nicht ein, dass meine Behinderung als Pipifax angesehen wird, bloß weil mein Rollstuhl nicht sichtbar ist.

Die zwei können gerne mal versuchen wie es ist sich gar nicht mehr bewegen zu können, wenn jeder Muskel im Körper krampft, wenn das Herz dadurch unregelmäßig schlägt und sie durch Blasenkrämpfe einurinieren.
-Dann stell ich mich hin und sag':"Tut doch nicht so blöde, ist doch gar nicht so wild!"

Nun ja vielleicht werden sie es eines Tages doch noch kapieren.

Die Rente geht weiterhin immer befristet durch und so darf ich im regelmäßigen Abstand immer wieder die gleichen Formulare ausfüllen und Anträge stellen.

Inzwischen bin ich Profi darin ehrlich ;-)

Stand 2011

Ich hab es kaum für möglich gehalten: im Jahr 2011, nach der x-ten Weiterberentungsantragsstellung und einem weiteren Besuch bei einem medizinischen Gutachter, ist meine Rente unbefristet durchgegangen. Ich hab' ja gleich zur Feier des Tages eine zusätzliche Tasse Kamillentee getrunken :-).

Stand 2016

Bis jetzt hat sich an meinen Stoffwechselerkrankungen nichts geändert, es kamen zwei weitere große nicht stoffwechselbedingte Operationen dazu. Im Feb. 2016 habe ich an meinem Sd-Restchen einen neuen Hashimotoschub bekommen, der mich wieder völlig aus der Bahn geworfen hat.

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