gemeinsam geteiltes leid ist halbes leid, daher fuehl ich mich verantwortlich meine lebensgeschichte euch mitzuteilen.

ich heisse veronika und habe mb, aber das weiss ich erst seit einem jahr.

mein leiden begann bereits so mit 15 jahren, damals hatt ich schon panikattaken und war dem leben fremd. heut bin ich 6o und kann anfangen zu leben.

mich schleppte man schon damals von arzt zu arzt - ja meine liebe, hiess es, die psyche. dystonie oder so aehnlich nannte es man damals und gab mir schon schwere beruhigungspulver.

jetzt beganns...... ich kam drauf, dass der alkohol alles leichter mit und um mich machte , meine symptome wurden besser und ich fuehlte mich ganz einfach damit stark und lebenslustig. so schlich sich die erste lebenslange krankheit bei mir ein.

heut allerdings weiss ich, dass ich damals schon anzeichen einer ueberfunktion hatte.
aber was nuetzt es, haette man damals...... zu reden.
tatsache war, ich wurde alkoholabhaengig, das ging jahre gut, immer einen kleinen schluck bevor ich was unternahm, das war freiheit fuer mich.
ohne zu merken, wurd ich abhaengig und es wurde immer mehr alk bis zum exzess.

3o jahre hing ich an der flasche mit panik, depressionen, selbstmordgedanken waren meine letzten hilfeschreie.
keiner nahm mich ernst, viele sagten - sauf nicht so viel -.
ja aber wie denn, wenn der koerper, geist und seele nicht mehr mitspielen.

um diese erste lebenslange krankheit zum stillstand zu bringen, ging ich vorher durch die hoelle, bis mein mann auszog, weil er es nicht mehr aushalten konnte.
ich war aggressiv und depressiv und immer besoffen. schlimm wars.
sein auszug gab mir die chance zu den anonymen alkoholikern zu finden und dort durfte ich das glas stehen lassen lernen. das ist jetzt 11 jahre her und ich bin alkoholikerin, aber trocken.

jetzt begann mein zweiter leidensweg - mit depressionen, panikattaken, herzrythmusstoerungen, herzrasen, stimmungswechsel bis zum geht nicht mehr und ich hatte keine medizin mehr dafuer. aber ich durfte in all diesen zwanghaften angstzustaenden trocken bleiben.

vor 2 jahren dann explodierte mein koerper und ich wurde ins krankhaus mit verdacht auf lungenembolie, herzinfarkt eingeliefert. noch dazu kam, dass ich meine muskulatur nicht mehr steuern konnte. nicht aufstehen, nich gehen, keine luft - also mit einem wort totaler zusammebruch.

hier kam man dann nach allen untersuchungen e n d l i c h auf die schilddruese, da die aerzte nichts gefunden haben. ja, eine massive ueberfunktion vom typ morbus basedow.

ha, was soll denn das, dacht ich mir, jetzt ists vorbei. 1 jahr lang versuchte ich mit medikamenten, aber es wurde immer schlimmer. mein hausarzt wollte mich noch immer zum psychiater schicken - das hab ich auch vorher einige male probiert - aber fuer mich war das nichts.

antidepressiva, schlaftabletten, beruhigungstabletten, sd-medikamente, betablocker.....
das war mein leben jetzt, also den alk hat ich los und die sucht der tabletten begann. nicht ganz ungefaehrlich fuer mich.

vorigen august entschied ich mich dann, auf dringendes anraten meiner sd-aerztin in der rudolfstiftung auf eine total operation, denn ich dachte, schlimmer kanns nicht mehr werden. noch dazu wo meine schilddruese bereits toxisch war. also mein koerper wurde von ihr beherrscht.

nach der op gings mir natuerlich etwas besser, da ich ja vorher hundselendig beisammen war und dann gings los mit der einstellungsphase, die bei mir erst jetzt seit ca. 2 monaten hinhaut.
aber ich muss eins sagen, ich hab auch akupunktur gemacht, um meine seele zur ruhe kommen zu lassen. es hat mir geholfen.

heute mit knapp ueber 6o jahren kann ich ein - sagen wir - 9o prozentiges lebenswertes leben fuehren, mit hilfe der anonymen alkoholiker und mit hilfe meiner sd-aerztin.

so, zum schluss sag ich euch doch noch, haett man vor fast 4o jahren schon die sd angeschaut, waer mir - bin ich sicher - dieser leidensweg erspart geblieben.
ich weiss heute aus allen erfahrungsberichten in den foren und im kontakt mit anderen sd kranken, dass dies seinerzeit die ersten anzeichen waren.

ich hab angenommen heut mit zwei lebenslangen krankheiten zu leben und das ist wichtig, es anzunehmen, auf sich achtzugeben, sich nicht so wichtig zu nehmen, unter dem motto - der mensch denkt und gott lenkt - und vor allem meine helfenden haende auszustrecken, wenn sie jemand braucht, der an den selben krankheiten leidet.

es ist keine schande krank zu sein, aber es ist eine, hilfe nicht anzunehmen.
meine erfahrung, kraft und hoffnung wollt ich mit euch teilen, in enger verbundenheit
veronika

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