Hashimoto Thyreoidits, Kryptopyrrolurie, Hypophysenvorderlappentumor, NNR-Schwäche, unbestätigter V.a. CFS

Vor 10 Jahren begannen meine Haare auszufallen, auch die Wimpern.
Dies war einige Monate, nachdem ich mit der Pille begonnen hatte (möglicherweise der auslösende Faktor für die HT bei genetischer Disposition) außerdem bekam ich gelbe, schuppige Hautveränderungen im Gesicht, die schließlich durch eine cortisonhaltige Salbe verschwanden.
In einer Menschenmenge bekam ich auf dem Weg ins Ausland eine Art Schwäche- und Angstattacke, die später mit "Nervenzusammenbruch" erklärt wurde, so dass ich die Reise abbrechen musste. Wieder in gewohnter Umgebung und Ruhe ging es mir schlagartig besser. Dies ist typisch für Kryptopyrroliker.

Ein halbes Jahr später bekam ich Schwellungen im Gesicht, besonders am Kinn, die unter der Haut immer dicker und härter wurde, bis sie sich schließlich öffneten und Blutwasser auftrat (später erfuhr ich, daß Hautveränderungen am Kinn auf hormonelles Chaos hinweisen.
Mein Bauch sah aus, als wäre ich im 8.Monat schwanger und mein Verdauungsystem schien stillzustehen.
Ich hörte kein Geräusche wie Magenknurren mehr und mein aufgeblähter Bauch drückte von unten so stark auf mein Herz, daß ich mich oft lang auf den Rücken legen musste, weil sich so die Luft im Bauch etwas zur Seite hin verteilte, um überhaupt noch Luft zu bekommen.

Das Bauchproblem wurde von konsultierten Ärzten auf Stress und die Psyche geschoben. Ein Heilpraktiker tippte richtig auf Candida albicans, aber auch mit strenger Anti-Pilz Diät und dem Antipilzmittel Nystatin blieb mir der größte Teil des "Unterfunktionsbauches" leider über Jahre erhalten.

Dies alles war sehr unangenehm, aber noch lebte ich einen normalen Alltag.

Langsam wurde ich immer müder, bis ich nur noch zur Schule ging, Hausaufgaben machte und dann sehr früh ins Bett ging.
Ich unternahm nichts mehr mit Freunden, da mir alles plötzlich zu viel, zu laut und zu anstrengend war.
Meine Familie merkte, daß etwas Schwerwiegendes mit mir nicht in Ordnung sein konnte, da ich nicht, wie Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion gern unterstellt wird, faul war oder zu unangenehmen Gelegenheiten wie Schule etc. auf einmal krank wurde, sondern vielmehr nur noch die Schule aufrechterhielt, aber für Hobbies, Urlaub etc. keine Kraft mehr hatte.
Ich blieb zu Hause und döste vor mich hin oder schlief.

Ungefähr ein Jahr, nachdem ich die o.g. Symptome bekommen hatte, stürzte ich von einem auf den anderen Tag völlig ab, nachdem ich lange ständig gegen die wachsende Erschöpfung angekämpft hatte.

Ich war so erschöpft und kraftlos, dass ich nicht mehr wusste, wie ich den Alltag meistern sollte. Man sah es mir auch deutlich an: später erfuhr ich, daß meine Schulkameraden davon überzeugt waren, ich müsse aufgrund meines äußeren "Verfalls" drogensüchtig oder essgestört sein.
Die Ärzte, die ich verzweifelt aufsuchte, sagten mir, ich sei körperlich kerngesund und hätte Schulstress oder Stress in der Familie - was beides nicht der Fall war - und empfahlen einen Psychologen.

In diesem Zustand machte ich noch Abitur, danach klappte ich völlig zusammen und war zu nichts mehr fähig.
Ich erinnere mich daran, wie ich einmal einen Brief zum Briefkasten am Ende der Straße bringen wollte und nicht konnte, weil ich mit der zunehmenden Schwäche auch Orientierungslosigkeit und Angst bekam: vor dem Alleinsein, aber auch vor Menschenansammlungen, unbekannten Orten etc.
Alles überforderte mich total, ich wollte nur in einen dunklen, ruhigen, mir bekannten Raum und schlafen.
Ich fror furchtbar und war in kaltem Schweiß gebadet.

Meine Wahrnehmung hatte sich (durch den Hormonmangel im Gehirn, wie ich inzwischen weiß) total verändert.
Ich hatte förmlich das Gefühl, einen Meter über meinem Körper in der Luft zu schweben und ihn nicht mehr erreichen zu können.
Dadurch, und dadurch, daß mein Geschmacks -und Geruchssinn sich verändert hatten, bzw. lange Zeit nicht mehr vorhanden waren, hatte ich das Gefühl, von meiner Umwelt getrennt zu sein.
Außerdem war die Welt viel zu schnell für mein verlangsamtes Denken.

Ich schlief fast nur noch, wie bewusstlos und wenn ich morgens aufwachte, waren meine Arme bis zu den Ellenbogen eingeschlafen. Einmal konnte ich mich nicht bewegen und meinen Mund und meine Augen nicht öffnen, obwohl ich schon wach war und meine Familie im Haus umhergehen hören konnte.

Spürte ich nachts, daß ich auf die Toilette musste, lag ich oft stundenlang wie in einem narkotischen Dämmerschlaf, bis ich es endlich schaffte, aufzustehen und ins Bad zu gehen.

Genauso lag ich Stunden mit völlig ausgetrocknetem Mund und Hals halbwach und schaffte es nicht, bis zur Wasserflasche neben dem Bett zu greifen, geschweige denn, bis in die Küche zu gehen, um etwas zu trinken zu holen.

Oft besserte sich dieser Zustand der totalen Erschöpfung(für den das häufig verwendete Wort "Müdigkeit" auf Symptomlisten der SD-UF stark untertrieben ist) abends und nachts (typisch für AI- Kranke. Das veranlasst die Umwelt oft zu der Aussage: "Ich bin morgens auch müde und kein Wunder, daß du müde bist, wenn du nacht nicht schläfst!")

Egal wie früh ich ins Bett ging, normalerweise war es um 20:00 Uhr, morgens war ich halbtot, wurde kaum wach, und hätte mich niemand immer wieder ans Aufstehen erinnert, ich wäre rückwärts ins bett gefallen und hätte weitergeschlafen.
Von allein wachte ich erst gegen 13: 00 Uhr mittags auf- und war totmüde. Ich konnte die Erschöpfung morgens als körperliche Schmerzen spüren: Mein Kopf fühlte sich in solchen Situationen wie blutleer und umnebelt an und tat sehr weh.

Schließlich begann ich eine Psychotherapie. Man hatte mir so oft gesagt, ich sei körperlich völlig gesund, ich müsse psychische Probleme haben, dass ich bereit war, es zu glauben.
Das heißt, ich glaubte es nicht wirklich, da ich seit Jahren ständig eindeutig körperliche Beschwerden hatte, schließlich kannte ich meinen Körper in gesundem Zustand.
Aber vor Verzweiflung war ich entschlossen, meine psychischen Probleme, von denen ich nichts wusste, zu finden und an ihnen zu arbeiten, bis die körperlichen Symptome verschwinden würden.

Ich fühlte mich so schlecht, daß wäre ich lieber psychisch krank gewesen wäre, als ständig als gesund bezeichnet zu werden, wenn ich doch merkte, daß ich sehr krank sein musste.
Ich hoffte geradezu, dass die Psyche Auslöser für meine Beschwerden war, denn dann hätten sie wenigstens einen Grund und könnte ich mit der Psychologin zusammen etwas daran ändern.

Die Psychologin wühlte förmlich in meiner Vergangenheit, und erzählte mir im Übrigen, ich würde mein Leben dadurch verschwenden, daß ich nicht studierte, während ich ihr klarzumachen versuchte, daß es für mich eine gewaltige Anstrengung war, bis zu seiner Praxis zu gelangen und nach einer Stunde Therapie den Rest des Tages außer schlafen nichts mehr tun konnte und daß genau das mein Problem war.

Als ich einmal beim Frauenarzt länger im Wartezimmer warten musste, las ich eine dort ausgelegte Zeitschrift.
Zufällig las ich auch einen Artikel der Rubrik "Gesundheit" in dem sämtliche Symptome, die ich seit über 5 Jahren hatte, aufgezählt wurden, vor allem die lähmende Erschöpfung.
Es wurde geraten, bei solchen Symptomen die Schilddrüse untersuchen zu lassen. Ich sprach den Arzt sofort auf den Artikel und einen SD - Test an.
Er sagte, dafür sei eigentlich der Hausarzt zuständig, aber er nahm dennoch sofort Blut ab, da ich sehr krank aussah und ihm erzählte, dass mich mein Hausarzt seit Jahren nicht mehr ernst nahm.

Ein paar Tage später rief der Arzt mich an und sagte, ich hätte eine SD - UF und Antikörper(Anti-TPO), das wären Anzeichen für eine Mangelversorgung mit Schiddrüsenhormon durch eine chronische Entzündung, eine Autoimmunkrankheit, die Hashimoto hieße. Er rief eine nuklearmedizinische Praxis an und veranlasste einen SD- Ultraschall.

Ich war nicht in mehr in der Lage, die 20 km bis zum Nuklearmediziner allein zu fahren. Nach der Ultraschallaufnahme wurde mir bestätigt, dass meine SD stark vernarbt und nicht in der Lage sei, genügend Hormone zu produzieren.
Das SD- Gewebe sei bereits so stark zerstört, dass die Krankheit schon sehr lange bestanden haben müsse.

Noch ungläubig, da ich zum ersten Mal seit Jahren nicht auf die psychische Schiene geschoben wurde, fragte ich die Nuklearmedizinerin, ob es könne, daß ich aufgrund der eben diagnostizierten SD- Erkrankung so müde sei, was sie bejahte.

Mit dieser richtigen Diagnose von einer bekannten Nuklearmedizinischen Praxis habe ich großes Glück gehabt, denn damals zweifelte ich noch kaum an der Richtigkeit von Diagnosen, so daß ich wohl nicht weiter in Richtung hormonelle Störungen geforscht hätte, hätte man mir erzählt, die SD sei in gesund, wie es oft bei einer kranken SD geschieht.
Meine Fähigkeit zu denken war außerdem fast nicht mehr vorhanden und Kraft zum Nachforschen auf eigene Faust hatte ich schon gar nicht mehr. Ich vegetierte dumpf vor mich hin.

Selbst diese fähige Nuklearmedizinerin, die mir sofort eine Packung L-Thyroxin mitgab, sah nicht den Zusammenhang Haut- SD, denn angesichts meiner offenen, blutigen Stellen im Gesicht, riet sie mir entsetzt, zu einem Hautarzt zu gehen(was ich ohne Erfolg schon mehrmals getan und es dann irgendwann aufgegeben hatte).
Eine Woche nach der ersten Einnahme der SD- Hormons in einschleichender, kleiner Menge waren als erstes Symptom die "Pestbeulen" abgeheilt und kamen nie wieder.

Meine Frauenarzt sagte mir, in zwei Monaten sei alles vergessen und die Psychologin sagte, natürlich, zu meine Symptomatik würde eine Schilddrüsenerkrankung hundertprozentig passen, na gut, aber dann müsse es mir jetzt ja wieder gut gehen mit dem synthetischen Hormon.

Nun hatte ich endlich eine Diagnose, was ein riesiger Fortschritt war, aber es begann die 2. Odysse:
die Suche nach der richtigen Behandlung, bzw. der richtigen Art und vor allem Menge an Hormonen.

Es sollten noch Jahre vergehen, bis ich endlich die für mich passende Hormonmenge bekam, und nicht eine, bei deren Berechnung sich die Ärzte an Normwerten oder meinem Körpergewicht etc. festklammerten, kurz an allem außer den klinischen Symptomen und meinem subjektiven Befinden.

Außerdem wurden die vielfältigen Symptome nur teilweise dem Hashimoto zugeordnet.
Teilweise stimmte das auch:
sie kamen nicht nur vom Mangel an SD- Hormon, sondern auch von den dadurch ausgelösten Unstimmigkeiten der anderen Hormone.
Die Unregelmäßigkeiten in den Geschlechtshormonen, die sich oft nur nach sorgfältigen, mehrfachen Blutuntersuchungen über den ganzen Zyklus verteilt feststellen lassen übersah auch der Frauenarzt, der die SD getestet hatte.
Genauso wurden die Hormone der NNR nicht beachtet.

Außerdem wurde mir oft gesagt, Hashimoto sei zwar eine Krankheit, aber nicht schlimm. *Ironiemodus an* Logisch, ist ja egal, wenn ein lebenswichtiges Organ fast nicht mehr vorhanden ist. *Ironiemodus aus*

Jahre später sagte mein sehr fähiger neuer Frauenarzt nur entsetzt: "Sie haben Hashimoto und fühlen sich so furchtbar und niemand hat versucht, sie einfach soviel Hormon nehmen zu lassen, bis sie sich entweder besser fühlen, oder aber wirklich ÜF-Symptome bekommen??" Das sei Labormedizin, Normwerte seien schön und gut, aber eben nur Normwerte.

Viele Patienten haben andere Wohlfühlwerte im Blut, als sie laut Norm haben sollten.
Diese Menschen leiden dann oft jahrelang und quälen sich als ständig erschöpfter "halber Mensch" durchs Leben, nur weil man ihnen ein paar Mikrogramm SD Hormon vorenthält - die sie ihr Körper dringend bräuchte- nur weil sie dann aus den Normwerten fielen und eine Überfunktion, die der Patient aber bemerken würde, befürchtet wird.

Schlussendlich hieß für mich die Lösung: SD Hormon bis zum Wohlgefühl ohne auf Blutwerte zu achten, oder Zombie.
Damit kann ich einigermaßen normal leben.
Reduziere ich die Hormonmenge, bis ich innerhalb der Normwerte bin, kann ich nicht mehr am normalen Leben teilnehmen.

In südlichen Ländern merke ich gar keine Symptome, mein Stoffwechsel scheint sich durch das günstigere Klima schlagartig zu normalisieren: plötzlich bin ich nicht mehr müde und nehme nicht mehr unverhältnismäßig zu.
Diese positive Veränderung durch das für AI Kranke aller ART günstigere Klima im Süden kann man bei vielen Patienten beobachten.

Ein Jahr lang nahm ich Cortison als Ersatz für die Hormonmenge, die meine NNR plötzlich selber nicht mehr herstellte ein.
Es bestand der Verdacht auf M. Addison, der häufig mit M. Hashimoto einhergeht. Nach einem Jahr Einnahme hatte sich die NNR erholt und arbeitete wieder genug, so dass das Cortison abgesetzt werden konnte.
Ein kleiner Hypophysenvorderlappentumor wurde gefunden, der hormonelle Probleme verursachen kann.

Die in Deutschland von Schulmedizinern kaum anerkannte Kryptopyrrolurie(KPU) wurde diagnostiziert und mit der Einnahme eines speziell darauf zugeschnittenen Präparates ging es mir schon nach einem Tag sehr viel besser, das jahrelange Gedankenkarussell hörte auf sich zu drehen und ich konnte endlich wieder klarer und logischer denken.

Zum Glück fand ich Bücher über HT, vor allem amerikanische, und Mitpatienten in einer Selbsthilfegruppe, die alle in der gleiche Situation sind wie ich.
Auch einige informierte Ärzte fand ich, die mir sehr geholfen haben.

Die meisten Ärzte und die Mitmenschen wissen nach wie vor fast nichts über HT oder spielen sie so herunter, daß man fast selbst glauben würde, man wäre psychisch gestört hätte man nicht die quälenden körperlichen Symptome, die durch die Einnahme von SD-Hormon verschwinden,
Von Ärzten und Amtsärzten sowie der Krankenkasse wurde ich auf absolut erniedrigende behandelt und als Simulant, Hypochonder, faul oder schlicht irre hingestellt.

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