Hashimoto

Mein Name ist Jana, bin 36 Jahre alt, verheiratet und habe einen 16-jährigen Sohn.
Auch ich bin eine SD-Betroffene und möchte mit meiner Lebensgeschichte allen anderen Betroffenen Mut machen.

Bei einer normalen Arztkontrolle stellte man bei mir - damals 17 Jahre - eine Unterfunktion der Schilddrüse (SD) fest, worauf man mir Tabletten verschrieb. (Leider weiß ich heute nicht mehr, was es für Tabletten waren - ehemals DDR)
Nach 3-4 Tagen sah ich aus wie ein Pfannekuchen.
Meine Gelenke konnte man nicht mehr erkenne, so angeschwollen war mein Körper und mein Gesicht war furchtbar aufgeschwemmt. Es lag an einer Unverträglichkeit der Tabletten. Daraufhin bekam ich andere Tabletten, welche ich vertrug und bis zu meiner Schwangerschaft mit 19 Jahren einnahm.

Aus Angst um mein Kind nahm ich die Tabletten nicht weiter, obwohl ich sie auf Anraten des Arztes ohne Nebenwirkungen weiternehmen sollte. Ca. 8 Wochen nach der Schwangerschaft wurden meine Werte erneut gecheckt und sieh an, die Werte waren so in Ordnung, dass ich keine Tabletten mehr nehmen brauchte.

11 Jahre blieb ich beschwerdefrei. Bis ich durch die Insolvenz meines Betriebes in ein neues 2-Mann-Unternehmen kam, wo ich den Begriff Mobbing in allen Arten am eigenen Körper erleben durfte.
Da ich die Neue war, musste ich mich mit meinem Können und meinem Aussehen verteidigen, so dachte ich.
Ich begann eine Abendschule zur Weiterbildung und hungerte mit gewaltigem Sport, um auf mein Traumgewicht zu kommen.
In dieser Zeit fingen meine ersten Symptome an.
Zittern an den Händen (wie ein Alkoholiker), zeitweises Herzrasen, Puls bis 130. Und ich nahm innerhalb von 3 Monaten ca. 12 Kilo ab. Da mein Hausarzt mit Erschrecken die Abnahme feststellte, überwies er mich zu einem SD-Arzt, der dann diagnostizierte, dass ich eine enorme Überfunktion mit Knotenbildung und einem Kropf nach innen hatte.
Hier erzählte ich meinen Leidensweg von meiner Arbeitsstelle, aber der Arzt meinte, es läge nicht an dem ganzem negativem Stress.

Trotzdem bin ich heute noch der Meinung, dass doch der seelische Stress meine Überfunktion beeinflusste. Wiederrum versuchte man mich mit Tabletten auf Normalwerte zu bekommen, aber auch hier stellte sich zum einen wieder eine Unverträglichkeit ein und da der Kropf nach innen ging, legte sich die SD um die Luftröhre. Ergebnis: OP.

Ich hatte furchtbare Angst davor, weil man mir bei der Voruntersuchung erklärte, dass durch die hohe Überfunktion und nach der OP die entstehende Unterfunktion zu einigen kleinen Unregelmäßigkeiten führen könnte, aber nicht immer auftreten müsste und dass bei mir wirklich nur ein ganz kleines Stückchen der SD übrig bleiben würde.

Die OP selber habe ich sehr gut überstanden, aber die Zeit danach war eigentlich mein richtiger Leidensweg.
Ich muß dazu anmerken, dass ich mich vor der OP mit meiner damaligen Chefin unter vier Augen und mit vielen Beweisen unterhalten habe und sie merkte, dass meine Kollegin ihre Fehler mit gekonnter Hinterlistigkeit mir zuschob und das meine angeblichen Fehler alles eine große Lüge war.
Seitdem konnte ich in Ruhe arbeiten, jedenfalls in den Augen der Chefin. Trotzdem wechselte ich vor meiner OP in eine neue Firma, wo ich heute noch zufrieden arbeite.

Mein Leidensweg:

Nach der OP ist man eh geschwächt und es braucht einige Wochen, bis der Körper sich auf die Umstellung und die Tabletten einstellt. Da die SD der Motor des Körpers ist und dieser nach der OP nur noch ca. ein viertel Leistung bringt, läuft alles ganz langsam ab - das ist normal !!!

Wie man sich schon denken kann, vertrug ich die ersten Tabletten nicht und der Zeitraum der Feststellung lag ein halbes Jahr nach der OP.
In diesem Zeitraum verlangsamte sich der ganze Stoffwechsel im Körper.
Nach einer erfolgreichen Umstellung auf L-Thyroxin in der niedrigsten Dosis war ich froher Hoffnung und mein SD-Arzt erklärte mir, dass ich ab jetzt nur noch regelmäßig von meinem Hausarzt die Werte überprüfen lassen sollte.
Das würde reichen und meine Symptome würden sich mit der Zeit verringern bzw. ganz verschwinden.

Leider ging es ab diesem Zeitpunkt ständig bergab, trotz angeblich guter SD-Werte.
Meine Leistungsfähigkeit war gleich null, mein Regelzyklus kam wann er wollte, mein Stuhlgang erfolgte jeden 2. oder 3.Tag, so dass ich mir wie ein aufgeblasener Luftballon vorkam. Ich nahm innerhalb von 2 Monaten 10 Kilo zu (habe aber auch das Rauchen in der Zeit aufgegeben). Ich verfiel von einem Moment zum anderen in depressive Stimmungen.
Ich wollte keinen mehr sehen, kapselte mich von meinem Freundeskreis ab, meine Familie litt unter meinen ständigen Stimmungsschwankungen, bis hin zur Selbstaufgabe.
Auch die Arbeit funktionierte nicht mehr richtig und ich hatte ständig die Vorstellung, alle wollten was böses von mir. Aus diesem Grund ging ich mehrmals zum Hausarzt, um meine Werte feststellen zu lassen und sie waren komischerweise immer in Ordnung.

Da in diesem Zustand ein nicht Betroffener überhaupt nicht nachvollziehen kann, was in einem vorgeht, habe ich mich aus meiner Verzweiflung an den PC gesetzt und einen Beitrag ins Internet geschrieben.
Und ich bekam eine Antwort. Denn es kam mein rettender Engel !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Er hieß Natascha. Sie war selbst viel schlimmer betroffen als ich, was ich später erfuhr. Aber sie erläuterte mir mit einem enormen Fachwissen alle möglichen Ursachen meiner ganzen Nebenwirkungen, machte mir ständig Mut und empfahl mir, mich an einen Spezialisten zu wenden.
Sie gab mir Tipps und Werte mit, die ich untersuchen lassen sollte.

Und, was stellte man fest ?! Ich lebte nunmehr seit 2 Jahren- solange zog sich das hin - mit einer enormen Unterfunktion.

Es konnte also gar nicht funktionieren. Ich bekomme jetzt zwar eine recht hohe Dosis von L-Thyroxin, aber fast 5 Jahre nach der OP und der richtigen Einstellung bin ich wieder ein lebenslustiger Mensch und der Natascha so dankbar, für die bis heute anhaltende Unterstützung.

Drum möchte ich hier alle SD-Betroffenen aufrufen, es lohnt sich also trotz aller furchtbaren Nebenwirkungen und der eigenen Selbstaufgabe sich Hilfe aus dem Internet oder einem anderem Arzt zu holen!
Besteht darauf, dass Eure Werte regelmäßig, d.h. mindestens jedes halbe Jahr überprüft werden und wendet Euch an einen SD-Fachspezialisten, wenn solche Nebenwirkungen auftreten. Wartet nicht so lange wie ich !

Hier möchte ich nochmals meiner Familie, meinen echten Freunden und natürlich Natascha danken, dass sie mich in dieser wirklich schweren Zeit nicht aufgegeben und immer zu mir gestanden haben.

Eure Jana

Anmerkung der Webmasterin Natascha:
Wenn Sie Fragen zu Janas Geschichte haben, oder sich mit ihr austauschen wollen, dann schreiben Sie mich unter meiner Email-Adresse an. Ich werde Ihre Anfrage dann an Jana weiterleiten.
Jana hatte Ihre Emaiadresse hier angegeben, aber nachdem sie darauf aufmerksam gemacht wurde, daß ihre private Email-Adresse dann womöglich viel Spam erhält, hatte sie sie - klugerweise - nicht veröffentlichen wollen.
Ich hoffe das tut Ihrer Neugier keinen Abbruch, wenn Sie sie kontaktieren wollen.

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